Interview mit Tim Busse: Geschäftsführer von mySherpas

Crowdfunding, Crowdfinancing, Crowdsponsoring. Hinter diesen Begriffen steckt die Idee, durch die Beteiligung einer Gruppe von Interessierten, ein Film-, Literatur-, Musik- oder gemeinnütziges Projekt zu finanzieren.
Natürlich kann man Einzelaktionen auf Projekthomepages und in speziellen Foren bewerben und an unterschiedlichster Stelle zu Spenden aufrufen. Zunehmend finden sich jedoch auch Plattformen, die eine besondere Infrastruktur, meist inklusive Bezahlsystem, bieten, um Projekte zu präsentieren und zu finanzieren und gleichzeitig eine Community aufzubauen und anzusprechen.

Eine der wenigen deutschen Plattformen, die eine solche Infrastruktur anbieten, ist das neue Portal mySherpas.com. Wir sprechen mit Tim Busse, einem der beiden Gründer von mySherpas.com:

Du baust zusammen mit Deinem Partner Markus Zabel eine Plattform auf, die Raum für Crowdsponsoring Projekte bieten soll.

Was versteht Ihr unter Crowdsponsoring und was zeichnet Eure Plattform aus?

Wir bieten auf unserer Community-Plattform eine Kombination aus den beiden Themen Crowdfunding und Fundraising, darum sprechen wir von Crowdsponsoring. Die Masse unterstützt den Einzelnen mit einem kleinen Beitrag.
Bei uns haben Menschen mit Ideen die Möglichkeit, ein Projekt zu präsentieren, an das sie glauben, für dessen Umsetzung ihnen aber das Startkapital fehlt. Die Projektinhaber (die sog. Gipfelstürmer) stellen ihr Projekt über das Portal einer breiten Öffentlichkeit per Video, Audio, Text oder Bildern vor und rühren dann die Werbetrommel über Freunde, Bekannte, Soziale Netzwerke oder die Medien. Dabei geben diese Sponsoren/Sherpas nicht nur Geld, sondern machen durch ihre sichtbare Unterstützung auch Mut.

mySherpas.com bieten dafür eine optimale Plattform, die es dem Gipfelstürmer ermöglicht sein Projekt optimal zu präsentieren und für sich zu werben. Wir schaffen mit mySherpas.com eine Plattform, die sich durch das einfache Handling und das äußert klare Design auszeichnet. Bei uns stehen die Projekte der Projektinhaber im Vordergrund und wir ermöglichen im Rahmen des Sponsorings die einfache und sichere Unterstützung via PayPal oder Direktüberweisung.

Unser Motto hier ist: Einfach – Sicher – Erfolgreich!

Wie seid ihr auf die Idee gekommen, eine Crowdsponsoring-Plattform ins Leben zu rufen?

Das Konzept Crowdsponsoring ist nicht neu. In Amerika wird es schon seit mehreren Jahren durch unterschiedliche Marktakteure erfolgreich betrieben. Wir sind davon überzeugt, dass dieses Konzept tragbar ist und auch in Deutschland und Europa erfolgreich sein kann. Crowdsponsoring ist einfach und für jeden nachzuvollziehen.

Wir haben uns gedacht, was in den USA sehr erfolgreich funktioniert, muss bei uns auch funktionieren. Auch wenn die europäische Spendenkultur eine andere ist, so sind wir davon überzeugt, dass wir hier mit mySherpas.com diese Kultur verändern und so zahlreiche Ideen Wirklichkeit werden lassen können.

Wer verbirgt sich hinter dem Team von mySherpas?

Gegründet wurde das Unternehmen von mir, Tim Busse und meinem Partner Markus Zabel. Zur Verstärkung des Teams haben wir im Rahmen der Gründung im Sommer 2010 einen Rechtsanwalt, eine Texterin und eine PR-Agentur mit ins Boot geholt, um genügend Ressourcen zu haben, um das Thema adäquat vermarkten zu können.

Wir selbst kennen die Herausforderung, nicht genügend Geld zu haben, um unsere Ideen umzusetzen. Darum wollen wir andere mit unserer Plattform unterstützen, ihre Projekte Wirklichkeit werden zu lassen.

mySherpas.com wurde soeben gelauncht und ihr sammelt gerade die ersten Projekte, die es zu finanzieren gilt. Gibt es einen Fokus auf Projekte aus bestimmten Bereichen?

Fokussierung ist in der heutigen Zeit sicherlich ein wichtiges Schlagwort, allerdings nicht für unsere Crowdsponsoring-Plattform. Bei unseren Projekten gibt es keinen reinen Themenfokus, denn wir sehen den Nutzen unserer Plattform in unterschiedlichsten Bereichen. Wir sind davon überzeugt, dass sowohl Filmemacher, aber auch Künstler, junge Unternehmer oder Erfinder ihre Ideen auf der Plattform vorstellen werden. Musiker und andere kreative Menschen sind bei uns natürlich auch herzlich willkommen. Wir sind offen für alle Themen, sofern sie rechtlich in Ordnung sind.

Wie fällt das erste Feedback aus, gibt es bereits erste Projekte auf eurer Seite?

Ja, wir sind gerade zum 21. Oktober losgelaufen und treiben das Thema nun mit Vollgas voran. Wir konnten auch schon mit den ersten Projekten starten und es werden weitere folgen. Wir freuen uns über jedes neue Projekt. Sofern man das nach ein paar Tagen sagen kann, erhalten wir grundsätzlich positives Feedback und viel Zuspruch. Mal abwarten, wie groß die Bereitschaft der Leute sein wird, andere Menschen bei ihren Vorhaben zu unterstützen und ihnen so die Möglichkeit zu geben, ihre Projekte zu realisieren. Wir sind verhalten optimistisch, denn wir wissen natürlich auch, dass es genügend Skeptiker gibt. Wir wollen die Welt ein wenig bunter machen und freuen uns über jeden, der mitmacht, egal ob als Gipfelstürmer oder Sherpa. Crowdsponsoring lebt von der Masse. Wenn jeder ein bisschen gibt, dann kommt am Ende trotzdem viel zusammen und Projekte werden Realität.

Eine der bekanntesten Crowdfunding-Plattformen ist momentan die amerikanische Seite Kickstarter.com.

Warum braucht Deutschland und Europa eine weitere, bzw. eine eigene Plattform für das Thema Crowdsponsoring?

Kickstarter.com konzentriert sich bisher nur auf den US-Markt. Für deutsche Projekte ist es schwer, dort Unterstützer zu finden. Daher wollten wir das Thema dem deutschen und europäischen Markt nicht länger vorenthalten. Wir haben uns gesagt, wir legen los und bauen die Plattform jetzt und schauen nicht zu, bis andere aktiv werden.

Wir sind davon überzeugt, dass es Vertrauen schafft, wenn die Homebase der Plattform in Europa, besser gesagt in Deutschland, liegt. Der Nutzer fühlt sich einfach wohler, wenn er Projekte in seiner Muttersprache einstellen kann und das deutsche Recht Anwendung findet. Wir sind darum auch bemüht, die bestmöglichste Transparenz bei unseren Aktivitäten einzubringen, so dass jeder genau nachvollziehen kann, wie unser Geschäftsmodell aufgebaut ist, welche Kosten wo entstehen und wie sich mySherpas.com finanziert.

Zudem unterscheiden wir uns auch von den amerikanischen Plattformen, denn wir verbinden Crowdfunding und Fundraising und erzeugen so eine Art „Cross-Selling-Effekt“ und sprechen eine breitere Masse an, d.h. wir vereinen auf mySherpas die Crowdfunding und Fundraising Gemeinde.

Das Prinzip Crowdsponsoring ist ja in Deutschland noch nicht so weit verbreitet, habt Ihr eine Idee warum das so ist?

Die Spendenkultur in Deutschland ist karitativer Natur, was ja per se auch eine Art Crowdsponsoring ist, nur dass man dafür eine Spendenquittung erhält, die steuerlich absetzbar ist. Ganz so unbekannt ist das Thema also gar nicht. Wir möchten die Leute mit unserer Plattform vielmehr dazu bringen, umzudenken und ihnen aufzeigen, dass es auch ein gutes Gefühl vermitteln kann, wenn man andere dabei unterstützt, eine geniale Idee oder ein gutes Projekt zu realisieren, und dass es dabei nicht immer um einen ausschließlich gemeinnützigen Zweck gehen muss. Es kann auch einfach verrückt sein.

Je verrückter, je ausgefallener, je besser. Man kann auch auf diese Art, die Kultur und die Gesellschaft verändern. Die Frage nach dem „Warum“ sollte daher vielleicht gar nicht gestellt werden. Ich denke, manchmal ist es einfach an der Zeit, etwas zu wagen und damit sollte jeder dann auch direkt beginnen! Einfach nur nachzudenken und zu diskutieren, ist verlorene Zeit. Ein eigenes Projekt zu kreieren oder einen anderen zu unterstützen, das ist etwas sinnvolles! Also, lasst uns gleich damit beginnen! Erzählt Euren Freunden von mySherpas.com und tragt die Idee des Crowdsponsoring in jeden Winkel Deutschlands!

Wie soll das funktionieren?

Das funktioniert ganz einfach! Jeder sollte seine Freunde am besten noch heute entweder per Facebook, studiVZ, meinVZ, Xing oder Mail einladen, sich unsere Plattform anzuschauen und über das Thema Crowdsponsoring zu reden. Lasst uns die Diskussion einfach mal treiben und versuchen die zurückhaltende Sponsoringkultur in Deutschland aufzubrechen!

Wenn ich nun Lust bekomme, als Gipfelstürmer ein eigenes Projekt sponsoren zu lassen, wie geht das?

Als erstes besuchst du unsere Seite, registriert sich und schaust dir mal ein paar Projekte der anderen Gipfelstürmer an. In unserem Basislager wirst du viele wichtige Fragen und Antworten rund um das Anlegen eines Projektes finden. Anschließend klickst du einfach nur auf den Button „Eigenes Projekt starten“ und los geht es! Wenn du dann die ausgefüllte Projektvorlage abgeschickt hast, wird das mySherpas Team deinen Antrag prüfen und umgehend freigeben. Danach bist du gefragt, denn als Gipfelstürmer musst du dein soziales Netzwerk antreiben und die Werbetrommel für dein Projekt rühren. Nur so wirst du dein angegebenes Projektbudget erreichen und mit deinem Projekt erfolgreich werden. Da wir das Alles-Nichts-oder-Prinzip als Richtlinie verfolgen, erhält bei uns auch nur derjenige seine Sponsorengelder, der seine Projektbudget vollständig gesponsert bekommt. So geht niemand ein Risiko ein.

Ein Projekt online zu stellen, ist die eine Sache, aber die Frage bleibt, warum sich Menschen an Projekten beteiligen. Muss man dafür besondere Anreize schaffen und gibt es erste Erfahrungen im europäischen Raum, wie gut sich Sponsoren finden lassen?

Die Anreize bzw. Prämien, aber auch die Projektpräsentation, sind sicherlich ein wesentlicher Punkt des Crowdsponsoring, gerade um das Projekt erfolgreich werden zu lassen. Ein wichtiger Schritt ist das Projektvideo, in dem die Emotionen so rüber kommen, dass der Gipfelstürmer die Sherpas dazu bringt, dass eine Vertrauensebene aufgebaut wird. Aber die Leute wollen sich natürlich mit dem Projekt verbunden fühlen und etwas zurückbekommen, wobei da definitiv der ideelle Wert der Prämie zählt. Dabei sein ist alles.

Anhand Deiner Antworten wird klar, dass ihr mit viel Herzblut bei der Sache seid und voll hinter eurem Projekt steht. Aber mySherpas ist sicherlich kein Projekt aus reinem Selbstzweck. Wie finanziert ihr Euch?

Die Finanzierung folgt den gängigen Methoden. Die Nutzung der Plattform ist kostenlos, allerdings fällt eine Bearbeitungsgebühr im Falle einer erfolgreichen Projektwerbung in einer Höhe von 10% der gesamten eingenommenen Gelder an. Es gibt keine weiteren versteckten Kosten, damit sind alle Kosten gegenüber mySherpas abgedeckt, auch die PayPal-Kosten und Mwst. Aufwände.

Wie ist die weitere Planung für mySherpas?

Wir planen die Plattform in den nächsten Monaten zu europäisieren, d.h. es werden weitere Sprachen folgen. Zudem vermarkten wir die Plattform und sind auf der Suche nach zahlreichen attraktiven Projekten. Es bleibt natürlich auch nicht aus, dass wir unsere Gipfelstürmer bei der Präsentation ihrer Projekte unterstützen und auch über Öffentlichkeitsarbeit antreiben. Wir werden mit Partnern zusammenarbeiten, die hier aktiv bei der Projektvorbereitung und –durchführung mit ihrer Expertise und dem entsprechenden Know-How bedarfsweise von den Projektinhabern angesprochen werden können.

Vielen Dank für das Interview! Wir wünschen mySherpas viel Erfolg und viele spannende Projekte!

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2 Gedanken zu „Interview mit Tim Busse: Geschäftsführer von mySherpas

  1. Tino

    Wir freuen uns über den Start von mysherpas und wünschen dem Team viel Erfolg. Wir glauben daran, dass wir das Thema Crowdfunding gemeinsam in Deutschland stärken können, um eine breite Aufmerksamkeit zu erzielen. Wir sind gespannt auf gemeinsame Schnittmengen und spannende Projekte.

    Tino von startnext.de

    Antwort
  2. Wolfgang Gumpelmaier

    Am 17. Januar 2011 findet ein Webinar, also ein Online-Seminar, zum Thema „Crowdfunding im Kultur- und Sozialbereich“ statt. Das Webinar wird über mySherpas finanziert bzw. organisiert und wird somit selbst zum Testfall. Interessierte Kulturschaffende und Projektmitarbeiter aus dem Sozialbereich bitte einfach dem Link folgen, da gibt’s mehr Information:
    https://www.mysherpas.com/de/projekt/Webinar-Crowdfunding-im-Kultur-und-Sozialbereich/

    Antwort

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