Räumliche Distanz und Beziehungen

Als Public Enemy das Funding-Ziel über 50.000 Dollar im Oktober 2010 auf der Plattform Sellaband erreicht hatten, wollte ich über die Believers-Historie herausfinden, welcher Investor in welcher Phase des Projektes wieviele Anteile gekauft hatte.

Leider war das nicht so deutlich nachzuvollziehen, wie ich es mir erhofft hatte und der geplante Artikel konnte nicht erscheinen.

Im Januar 2011 haben Ajay Agrawal, Christian Catalini und Avi Goldfarb von der Universität von Toronto „The Geography of Crowdfunding*“ veröffentlicht. Und liefern damit eine tolle statistische Untersuchung zum Thema Crowdfunding.

Als Datengrundlage wurde jedes Investment auf der Plattform sellaband.com von August 2006 bis September 2009 analysiert. Insgesamt wurden in dem Zeitraum mehr als zwei Mio. Dollar investiert. Dabei haben „nur“ 34 Projekte 50.000 Dollar (und mehr) erzielt und damit 73% der kompletten Spendensumme über die Jahre (2 Mio Dollar) beigetragen. Diese 34 Projekte dienten als Grundlage für weitere Untersuchungen innerhalb der Studie bezüglich der Investoren und der räumliche Nähe/Distanz und bezüglich der persönliche Nähe/Distanz der Investoren zu den Projektinhabern.

Während Studien besagen, dass die räumliche Nähe von Investitoren zu einem Projekt eine große Rolle spielen, entfallen auf Crowdfunding Plattformen wie Sellaband räumliche Hürden. Und trotz allem erläutern die Autoren der Studie, dass räumliche Distanzen in den verschiedenen Phasen eines Projektes doch wiederzufinden sind.

Nach den Untersuchungen sind vor allem regionale Investoren in der ersten Phase der Projektfinanzierung ausschlaggebend und agieren unabhängig von anderen Investoren. D.h. es wird unabhängig davon investiert, wer oder wieviele Investoren sich bereits an einem Projekt beteiligt haben. Das liegt wahrscheinlich an der persönlichen Beziehung dieser ersten „Investoren-Gruppe“ (von den Autoren als F&F – Family and Friends bezeichnet) zu den Projektinhabern. So kommen Agrawal et al. zu dem Schluss, dass zwar räumliche Kosten über die Internetplattformen entfallen, aber soziale Beziehungen (und damit das räumliche Umfeld) sehr wohl eine Rolle spielen.

Mit den Investitionen der F&F’s (die sich in der Finanzierungsphase bis 10.000 – 20.000 Dollar einbringen) wird für andere Investoren ein Zeichen gesetzt, die zu einer späteren Phase die Finanzierung voranbringen. Sehr schön hat das Gijsbert Koren auf smartermoney grafisch dargestellt.

Die vollständige Studie inkl. aller Tabellen und Zahlen, findet sich bei Avi Goldfarb auf der Seite der University Toronto unter Working Papers: http://www.rotman.utoronto.ca/~agoldfarb/crowdfunding.pdf

Well done!

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