Archiv der Kategorie: Crowd Funding im Film

LEG IHN UM! – Jetzt den neuen Film von Jan Georg Schütte mitfinanzieren!

Jan Georg Schütte wurde mit Filmen wie DIE GLÜCKLICHEN und seiner TV-Serie KOFFIE TO GO bekannt. Auf seiner Homepage sagt er selbst: „16 Stunden Dreh am Stück, radikal kurze Drehzeiten und 4 Kameras gleichzeitig – das sind unsere Mittel mit denen wir in den letzten 6 Jahren Kinofilme gemacht haben“.
Auch sein neues, spannendes Projekt LEG IHN UM, ein Familienfilm der etwas anderen Art, wird durch viel Improvisation und den eigenwilligen Arbeitsstil des Regisseurs entstehen.

Der Film ist bereits zu Teilen finanziert und wird unter anderem von der nordmedia in Niedersachsen und Bremen sowie der Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein unterstützt. Das Gesamtbudget ist derzeit auf 500.000 Euro festgelegt. Durch private Investoren, Fans und Sponsoren aller Art wollen Schütte und die Hamburger Produktionsfirma Riva Film rund 350.000 Euro sammeln. Drehstart soll im April 2011 sein.

Die Beteiligung an LEG IHN UM! ist ab der ersten Filmsekunde möglich. Von der Erwähnung auf der Homepage (25 – 100 Euro) bis zum Besuch am Filmset (5.000-10.000 Euro) ist jede Beteiligung denkbar. Leg was an! – lautet die Devise.

LEG IHN UM! wirft eine makabere Frage auf: Würdest du deinen Vater umbringen, wenn er dich darum bittet?

Und wenn dies die einzige Möglichkeit wäre, ein gigantisches Vermögen zu erben?
Und was würdest du tun, wenn er sterbenskrank wäre?
Was werden die Familienmitglieder der ehrwürdigen und reichen Traditionsfamilie Manzl tun?
Der alte und kranke Patriarch strebt eine radikale Lösung für seine Krankheit und die Übergabe der Firma in die Hände des durchsetzungsstärksten Nachfolgers an:

Wer es schafft, ihn innerhalb der nächsten Woche ins Jenseits zu befördern, bekommt die Firma. Schafft es keiner geht das Familienimperium an eine Stiftung.
Die Zeit läuft für die 4 Geschwister und ihre Partner. Allesamt sind sie den satten Reichtum gewohnt. Verzichten will keiner, aber den eigenen Vater umlegen – das ist eine Sache für sich.

Tut doch mal was fürs Klima – und wenn es erst mal ein Film ist!

Ein früher Tester und ein erfolgreiches Beispiel des Finanzierungsmodells Crowdfunding ist der Film THE AGE OF STUPID, der schon 2004 via Crowdfunding finanziert wurde.

Es dauerte insgesamt vier Jahre, bis der Film finanziert und fertiggestellt wurde. Das Dokudrama der Regisseurin Franny Amstrong beschäftigt sich mit den Fragen der Klimaveränderung. Aus Sicht eines alten Mannes (gespielt vom oskar-nominierten Pete Postlethwaite), der ganz alleine im Jahr 2055, in einer völlig zerstörten Welt lebt, werden Fragen an die Gesellschaft 2008 gestellt: Warum wurde diese Klimakatastrophe nicht verhindert?
Zur Beantwortung dieser globalen Frage folgt der Film den Geschichten von sieben dokumentarischen Personen, dem britischen Windfarmer Piers Guy, dem Chef einer indischen Fluglinie, Jeh Wadia, der nigerianischen Medizinstudentin Layefa Malemi, dem französischen Bergführer Fernand Pareau, den irakischen Flüchtlingskindern Jamila & Adnan und dem Paläontologen Alvin Duvernay, der für Shell arbeitet, durch Amerika, dem UK, Indien, Nigeria, Jordanien und den Alpen. THE AGE OF STUPID kam 2009 in die Kinos und war einer der meist beachtesten Filme dieses Jahres (Trailer).

THE AGE OF STUPID wurde sowohl im Produktions- als auch im Vertriebs-Stadium komplett über Crowdfunding finanziert. Franny Amstrong und ihr Produzent John Battsek waren in der Lage, das gesamte Budget von 450 000 britischen Pfund über Crowdfunding einzusammeln. Sie verkauften ‚Anteile‘ an Individuen und Gruppen einschließlich eines Hockey Teams und eines Gesundheitszentrums. Die 228 Investoren gaben jeweils zwischen 500 und 35 000 Pfund, dafür steht jedem ein Prozentsatz des Gewinns zu, den der Film erwirtschaftet. Dasselbe gilt für die Crew, die weit unter Tarif arbeitete. Ein interessanter Nebenaspekt dieses Finanzierungsmodells ist, dass Amstrong und Battsek in der starken Position sind, dass ihnen alle Rechte an THE AGE OF STUPID gehören.

Crowdfunding in der Filmfinanzierung

Filme leben meist von tollen Ideen und der Leidenschaft ihrer Macher. Kompliziert wird es in dem Moment, in dem es um die Zusammenstellung der Finanzierung geht. Schnell kann die Gruppe der Begeisterten überschaubar werden, wenn es um die konkrete finanzielle Beteiligung an einem Projekt geht.
Die klassische, professionelle Filmproduktion finanziert Projekte, indem verschiedene Bausteine zusammen geführt werden: Eigenkapital, Vorabverkäufe, Ko-Produktionsmittel, Verleihbeteiligungen, öffentliche Förderung und viele mehr.

Was tun jedoch, wenn man als Filmemacher noch ganz am Anfang seiner Karriere steht? Oder, wenn man schon einiges an Erfahrung hat, nun aber endlich das absolute Exotenthema bearbeiten möchte?

Schon früh haben Filmemacher das Finanzierungsmodell Crowdfunding entdeckt. Es eignet sich gut für Filmprojekte, weil man durch die Geschichte und erste Probeaufnahmen oder Trailer Menschen für Projekte begeistern kann. Auch hinsichtich der „Rewards“ ist Film ein dankbares Gut. Von der Namens-Nennung in den Filmcredits, bis zu einer exklusiven, signierten Erstpressung der DVD oder der Einladung zur Premiere sind hier viele Möglichkeiten denkbar.

Bei der Finanzierung eines Kurzfilms sind die kalkulierten Kosten überschaubar und man kann Crowdfunding parallel zu anderen Mittel-Akquisen laufen lassen oder sogar versuchen, den gesamten Film über Crowdfuning zu finanzieren. Auch wenn bereits andere Fianzierungsbestandteile gesichert sind, kann ein erfolgreiches Crowdfunding im Nachhinein einem Film noch sehr hilfreich sein: Sind z.B. viele Gagen-Rückstellungen von Schauspielern, Regisseur oder Produzent getätigt worden, kann man diese Teammitglieder im Falle eines erfolgreichen Crowdfunding am Ende doch noch entlohnen.

Auch bei größeren Projekten kann man, Teile eines Gesamtprojektes über Crowdfunding zu finanzieren. Da die meisten Plattformen nach dem Prinzip „all or nothing“ arbeiten, ist das Risiko für die Sponsoren gering und der Nutzen für die Produzenten groß.
Einige Filmemacher nutzen auch die projekteigene Öffentlichkeitsarbeit (Homepage etc.), um Spenden zu sammeln. Dies hat den Vorteil, dass man ab dem ersten Euro mit den gespendeten Mitteln planen kann. Der Finanzierungsbaustein platz nicht, wenn man sein Crowdfunding-Ziel evtl. nicht erreicht hat (was z.B. dem System auf Kickstarter entpräche), sondern fällt nur geringer aus.

Da Film ein hoch emotionales Gut ist, bei dem sich Menschen gerne involvieren lassen, eignet sich Crowdfunding hierbei als Finanzierungsmodell sehr gut. Offensichtich kauft man sich gerne in ein Stück „Hollywood“ ein und der Stolz den Namen im Abspann zu lesen oder auf die Premiere eingeladen zu werden, ist eine gute Motivation sich zu beteiligen.

Crowdfunding – good, bad, ugly

Bei all den Recherchen bin ich auf einen Artikel gestoßen, der sehr beeindruckend zeigt, dass Crowdfunding nicht „mal so nebenbei“ gemacht werden kann. Und bei all den Erfolgsmeldungen und Best Practices auch eine gute Portion Arbeit dahinter steckt – Mißerfolge inbegriffen…

Selbst wenn die Resonanz auf ein Projekt groß ist und die Audience begeistert ist, heißt es nicht automatisch, dass die Briefbörsen geöffnet werden.

Artikel: my-kickstarter-experience-the-good-bad-and-ugly