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Tino Kreßner von Startnext über Crowdfunding und Tipps & Tricks für erfolgreiche Projekte

Startnext.de ist eine Crowdfunding Plattform in Deutschland, um Künstler, Musiker, Filmemacher -also Kreative jeglicher Art- in der Umsetzung ihrer Projekte zu unterstützen. Das Prinzip: die Starter (Projektteams) suchen Supporter (Finanziers) für ihre Projekte, um für diese innerhalb eines bestimmten Zeitraumes das Budgetziel zu erreichen. Nach Beendigung des Finanzierungszeitraums wird das Geld an die Starter ausgezahlt, sofern der komplette Beitrag zusammengekommen ist. Die Supporter erhalten im Gegenzug für ihre Unterstützung Goodies von den jeweiligen Startern – sei es eine handsignierte CD, ein lebenslanger Backstage-Ausweis für Konzerte, die Nennung im Abspann eines Filmes oder vieles mehr. Der Kreativität sind dabei keine Grenzen gesetzt.

Im Interview gibt Tino Kreßner Einblicke zum Thema Crowdfunding und der deutschen Plattform Startnext.

bpc: Wie seid ihr auf die Idee für Startnext gekommen?

Tino Kreßner: Die Idee zu Startnext ist über drei Wege gekommen. Mit unserem Spielfilm „Mitfahrgelegenheit“ hatten wir unter filmtrip.de die erste Web 2.0-Spielfilmproduktion realisiert und konnten mit der Kraft der Community als einstiges Studenten-Projekt sogar in die Kinos gelangen. Über 2.150 Personen standen bei uns im Abspann, die von der Schauspieler-Auswahl, Storydiskussion, Titel, Merchandising, Soundtrack, usw. verschiedenste Etappen mitgestaltet haben. Die daraus entstandene Mundpropaganda und das Interesse rund um den Film war enorm, so dass wir uns überlegt hatten, dieses Prinzip auch für andere Filmemacher einfach realisierbar zu machen. In meiner Abschlussarbeit habe ich u.a. über SellaBand geschrieben, die als Crowdfunding Plattform für Musiker nun bereits über drei Jahre am Markt sind. Wir haben uns also überlegt dieses Konzept auch auf den Filmbereich zu übertragen. Anfang 2009 habe ich dann für die Abschlussarbeit und das Vorhaben den HORIZONT Award gewonnen, stand aber etwas auf der Bremse, um mit unserer Firma erstmal eine eigene Existenz aufzubauen. Zu dieser Zeit sind wir mit der Firma tyclipso.net zusammen gezogen, die gerade an dem Projekt Seedmatch.de arbeiteten, bei dem man Mikro-Business-Angel von Startups werden kann. Im Zuge deren Recherche hat der Geschäftsführer von tyclipso.net Denis Bartelt die gerade neu gestartete Plattform Kickstarter.com entdeckt und noch im September 2009 haben wir mit der Konzeption zu startnext begonnen.

bpc: Und aus wieviel Personen besteht Euer Team?

Tino Kreßner: Im Kern bestehen wir aus drei Personen. Neben Denis Bartelt (tyclipso.net), arbeitet Alexandra Harzer mit mir (MedienWG) eng zusammen. Als Software-Entwickler beschäftigen wir weitere vier Personen von tyclipso.net und drei weitere Mitarbeiter von der MedienWG unterstützen das Projekt teilzeit. Von extern sind drei Experten in den Bereichen Finanzen, Recht, Steuern aktiv und einer betreut unsere Kultur-Dependence in Berlin. So kommen wir derzeit auf 14 Mitarbeiter bei Startnext, die aber größtenteils nur teilzeit an dem Projekt arbeiten. Wir hoffen natürlich zukünftig mit Startnext weitere Arbeitsplätze schaffen zu können.

bpc: Zur Zeit sind Projekte aus den Bereichen Event, Video, Musik, Literatur und Fotographie zu unterstützen. Mit welchen Ideen kann man sich bei startnext anmelden? Und wie funktioniert das?

Tino Kreßner: Startnext ist spezialisiert auf kreative Projekte. Wir schließen Startups aus, die Unterstützer am Gewinn beteiligen möchten oder reine soziale Projekte, bei denen es um das Sammeln von Spenden geht. Ein großer Erfolgsfaktor für das Crowdfunding sind bei uns die Dankeschöns, als Motivation Projekte schon in so einem frühen Status zu unterstützen. Unsere Projektinitiatoren heißen Starter. Jeder mit einer Idee oder einem schon laufenden Projekt kann dies auf startnext.de inhaltlich und multimedia ausgestalten. Der Starter gibt ein Budget an, definiert Dankeschöns und legt einem Zeitpunkt fest, bis wann er das Geld benötigt. Hat er bis zu diesem Tag die benötigte Summe zusammen, so bekommt er das Geld unmittelbar ausgezahlt, wenn nicht fließt es zurück zu den Unterstützern.

bpc: Neben „normalen“ Supportern wollt ihr auch Kultursponsoring und CSR Marketing für Firmen als Schwerpunkt anbieten. Was genau bedeutet das für eine interessierte Firma?

Tino Kreßner: Aus unserer Agenturtätigkeit heraus kennen wir genau die Bedürfnisse von Unternehmen in der Online-Kommunikation und werden dafür gezielt Premiumdienste und -profile anbieten, die für Organisationen und Unternehmen kostenpflichtig sein werden. Durch die Unterstützung von Unternehmen haben auch größere Projekte auf Startnext die Chance vollständig finanziert zu werden. Zudem möchten wir die Provision seitens Startnext bei der erfolgreichen Finanzierung eines Projektes minimieren. Dazu beantragen wir aktuell den Status der Gemeinnützigkeit. Das Business bei Startnext liegt im Bereich der Unternehmen, mit denen wir ab 2011 starten möchten.

bpc: Warum wird das gesammelte Geld nur ausgezahlt, wenn das Budgetziel zu 100% erreicht wurde? Würde nicht dem ein oder anderen Künstler auch ein Teilbetrag schon weiterhelfen?

Tino Kreßner: Die Unterstützer wählen beim Geldgeben ein bestimmtes Dankeschön aus, das ihnen nach Projektabschluss auch zusteht. Würde die Finanzierung scheitern, aber der Projektinitiator trotzdem das Geld bekommen, müsste er das Dankeschön ausliefern, wodurch wir ihn teilweise in enorme finanzielle Schwierigkeiten bringen würden. Angenommen der Starter möchte einen Film produzieren und die Unterstützer finanzieren das Projekt vor und freuen sich auf die fertige DVD. Zur Realisierung fehlen dem Starter aber am Ende noch mehrere tausend Euro, die er nun aus privater Tasche finanzieren müsste. Startnext möchte den Projektinitiatoren helfen und diese nicht zusätzlich belasten. Selbst wenn der Starter bereit wäre, das Projekt auch nur mit einem Bruchteil des benötigten Budgets zu realisieren, so kann davon ausgegangen werden, dass es nicht mehr zu der versprochenen Qualität umgesetzt werden kann, als der Unterstützer das Geld gegeben hat.

bpc: Zur Zeit seid Ihr noch in der Beta-Phase, aber ergänzt sukzessive Eure Plattform mit weiteren Funktionen. Ab November wird es einen Startbutton geben. Sobald ein Projekt über diesen Startbutton 100 Interessenten gefunden hat, wird das Projekt zur Budgetfinanzierung freigegeben. Das soll die Qualität und wahrscheinlich auch das Interesse an den eingestellten Projekten sicher stellen.

Tino Kreßner: Mit dem Startbutton möchten wir Projektinitiatoren die Chance geben, erstmal Feedback von den engsten Freunden und Fans zu bekommen. Denn nach Start der Finanzierung kann ein Projekt nicht mehr geändert werden. Wenn ein Projekt 100 Befürworter/Fans gefunden hat, kann es sofort mit der Finanzierung los gehen. Das ist dann auch ein Indiz für den Starter, dass sein Projekt Potential hat. Wenn die 100 Fans nach einem Monat nicht erreicht sind, kann er das Projekt nochmal anpassen und das wichtige Feedback der Fans und Freunde mit einbinden. Wir möchten damit natürlich auch die Qualität der Projekte auf der Plattform sichern. Andere internationale Plattformen gehen nur auf Quantität und prüfen die Projekte überhaupt nicht. Als Unterstützer macht es mir hier keinen Spaß mich durch die teilweise schlechten Konzepte und Videos zu klicken.

bpc: Welche Tipps würdet Ihr den Projektteams geben, um erfolgreich zu sein?

Tino Kreßner: Die zwei Erfolgsfaktoren für Startnext sind Inhalte und Dankeschöns. Als erstes muss das Projekt gut durchdacht sein. Das Team muss es schaffen dies zu transportieren und die Begeisterung auf die Unterstützer zu übertragen. Jedes Projekt ist einzigartig und bei Startnext reicht es nicht, ein Formular auszufüllen, wie bei den Förderanstalten, sondern der Funke muss überspringen. Projektdarstellungen sollten einige der folgenden Faktoren beinhalten: authentisch, transparent, professionell, lustig, mitreisend, neugierig machend, spannend oder auch einfach unterstützenswert sein. Während des Projektes können die Supporter über den Projektblog mit involviert und zu begeisterten Weiterempfehlern motiviert werden. Neben dem eigenen Netzwerk geht es immer darum Mundpropaganda auszulösen. Dazu werden wir die entsprechenden Instrumente anbieten. Mit den Dankeschöns kann der Supporter durch seine Unterstützung Dinge erhalten, die er so niemals in einem Laden kaufen kann – nur während der Finanzierungsphase hat er darauf die Chance. Hier können die Starter bewusst Anreize schaffen.

bpc: Wie sieht generell Eure Betreuung der Projekte aus? Steht Ihr den Startern beratend zur Seite, prüft Ihr vorab die Konzepte?

Tino Kreßner: Jedes Projekt wird von uns betreut. Dazu prüfen wir die Projektbeschreibung zunächst formal und geben dann noch wertvolle Tipps und Hinweise. Viele der Projektinitiatoren sind zunächst mit uns per Email oder Telefon in Kontakt, bevor sie das Projekt überhaupt einstellen. Uns ist natürlich wichtig, dass die Projekte auf startnext erfolgreich werden. Die Konzepte an sich prüfen wir nicht – wir maßen es uns nicht an Kunst oder Kultur beurteilen zu können, geben aber den Blick von außen, wie das Konzept wirkt und wo vielleicht Verständnisprobleme sind. Geprüft wird das Konzept inhaltlich dann per Startbutton durch 100 Personen.

bpc: Was ist ein ’no go‘ bei Crowdfunding?

Tino Kreßner: Fehlende Emotionen. In Deutschland haben wir eine Förderlandschaft und die meisten Kulturschaffende mussten über Jahre hinweg Förderanträge schreiben und Richtlinien einhalten. Das merken wir heute noch in den ersten Versionen der Projektbeschreibungen bei startnext, die oftmals sehr korrekt sind, aber nicht begeistern können. Weiterhin ist es unbedingt wichtig, dass sich das Budget erklärt und die Supporter wissen für was sie Geld geben. Viele versuchen ihr einen möglichst hohen Betrag zu nehmen und vertrauen noch nicht in das Potential der Überfinanzierung.

bpc: Ihr wart in letzter Zeit viel unterwegs und habt Euere Plattform publik gemacht. Wie war die Resonanz?

Tino Kreßner: Wir haben das Gefühl, genau zur richtigen Zeit mit unserer Plattform zu kommen. Einige Kreative wünschen sich das Potential ihrer Fans, die sie bereits selbst über Facebook und MySpace erreichen können, zu nutzen und diese mit in ihre Projekte einzubinden. Von vielen werden wir als das deutsche Kickstarter gehandelt. In Deutschland müssen wir aber auf die speziellen Bedürfnisse der Vereine und der Förderlandschaft eingehen. Da wir selbst über Jahre hinweg mit unserem eigenen Verein Projekte realisiert haben und ich meist bei den Förderanträgen dabei war, weiß ich auch, wie viel kreatives Potential hier verlorgen geht. Zudem werden jedes Jahr die Ausgaben des Staates für Kultur um 220 Mio. Euro gekürzt. In Startnext sehen wir und auch unserer Unterstützer das Potential die Kulturlandschaft unseres Landes aufrecht zu erhalten und gemeinsam etwas bunter zu machen.

bpc: Mit der Zeitmaschine geht’s ein Jahr weiter. Wie sieht Startnext jetzt aus und was werden Eure Erfolge sein?

Tino Kreßner: Wir haben für die nächsten Jahre natürlich eine Entwicklungs-Roadmap aufgestellt. Wir wissen also in der Theorie genau, wie sich die Plattform in den nächsten Monaten entwickeln wird und welche Features noch hinzukommen werden. Das spannende ist aber, auf die dynamischen Entwicklungen einzugehen und Startnext stets an die Bedürfnisse anzupassen. Bis in einem Jahr möchten wir bei Startnext festangestellte Mitarbeiter beschäftigen können. Dazu wird es von großer Bedeutung sein, etablierte Künstler auf der Plattform zu haben, die eine breite Öffentlichkeit erreichen. Unser Ziel ist es, dass 75% aller eingestellten Projekte erfolgreich werden. Unser größter Erfolg wird es sein, dass wir Künstlern das Sprungbrett geboten haben, ihre Vision zu verwirklichen und vielleicht auch seitdem von ihrer Kunst leben können.


Wir danken Tino Kreßner für das Interview und wünschen dem ganzen Startnext-Team weiterhin viel Erfolg.