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Die unterschiedlichen Formen des Crowdfunding

Crowdfunding ist vermutlich mehr Neuland als das Internet. Von den Jahreszahlen gesehen, auf jeden Fall. Die großen Plattformen aus Amerika sind 2007 (Indiegogo) bzw. 2009 (Kickstarter) online gegangen. Seitdem verbreitet sich die Idee von Crowdfunding schnell weiter.

Und so unterschiedlich die Projekte sind, so unterschiedlich sind auch die Finanzierungsbedürfnisse der einzelnen Projekte. Daran hat sich in den letzten Jahren auch die Definition von Crowdfunding abgearbeitet.

Aktuell reden wir (genauer: der Crowdfunding Industry Report) von fünf verschiedenen Möglichkeiten der Crowd-Finanzierung. Grundsätzlich ist mit Crowdfunding die Finanzierung durch viele Personen gemeint. Je nachdem, was der einzelne „Finanzierer“ als Gegenleistung aus dem Projekt erhält, handelt es sich um eine spezielle Kategorie des Crowdfunding

donation-based Crowdfunding

Das Münchner Tierheim plant auf Betterplace den Bau eines neuen Katzendorfes.  Der Spender kann sich für Katzenhäuschen oder Fleecedecken entscheiden. Eine materielle oder finanzielle Gegenleistung an den Spender erfolgt nicht. Solche Projekte können z.B. auf Betterplace erstellt und unterstützt werden.

lending-based Crowdfunding

Muhammad Yunus bekam 2006 den Friedensnobelpreis für seine Idee des Mirkokreditwesens und der Vision, dass auch die Ärmsten kreditwürdig sind und eine Anschubfinanzierung für ihr Geschäft verdient haben. Mit den folgenden Einnahmen werden die Kredite samt Zinsen wieder zurückgezahlt. Was Yunus mit der Grameen Bank Salonfähig gemacht hat, kann auch durch Crowdfunding abgebildet werden.

Allerdings ist hier keine Bank mehr im Spiel – Menschen geben Menschen (p2p) einen Kredit.

Khalida aus Pakistan (ein Projekt auf Kiva) benötigt Garnrollen, Reißverschlüsse und Knöpfe, um als Näherin zu arbeiten und ihre Familie zu unterstützen. Erst wenn die Arbeiten erledigt sind, wird Khalida bezahlt. Ohne Investition in die benötigten Handarbeitswaren, könnte sie mir ihrer Arbeit nicht starten.

equity-based Crowdfunding

Wer Anteile an einem Unternehmen erwerben möchte, für den ist das equity-based Crowdfunding oder auch Crowdinvesting genannt, das richtige.

Das Produkt „Vibewrite“ hat auf Seedmatch schon viele Crowdinvestoren/ Anteilseigner gefunden.

Wobei es sich genau genommen um eine Mischung aus reward-based und equity-based Crowdfunding handelt. Denn die Investoren erzielen nicht nur die Rendite, sondern erhalten auch das Produkt.

reward-based Crowdfunding

Und damit wären wir auch bei der Erklärung des „klassischen“ Crowdfunding-Konzepts, dem reward-based Crowdfunding.

Ob legendäre Karma Chucks, das „Koch dich Türkisch“ Kochbuch oder das Rekord finanzierte Musik-Album von Thomas Godoj : mit der Überweisung des Geldbetrags folgt nach erfolgreichem Funding-Ende die Zustellung des Dankeschöns durch den Postboten. Im digitalen Zeitalter findet sich auch ab und an ein Gutschein im Email-Posteingang.

Und last but not least und relativ neu, die Kategorie:

royalty-based Crowdfunding

Im Gegensatz zum equity based Modell geht es nicht darum Anteilseigner für das Unternehmen zu finden, sondern jeweils von den Einnahmen einen Anteil an den Geldgeber zurück zu geben. D.h. erst, wenn das Produkt auf den Markt kommt und verkauft wird, hat der Crowdfunder von seiner Investition etwas. Im Gegensatz zu allen anderen Formen, ist zum Zeitpunkt des Fundings nicht absehbar, was oder wie hoch der Erlös tatsächlich sein wird.

Eine Plattform, die nach dem Prinzip funktioniert ist z.B. Appsfunder. http://www.appsfunder.com

Resümee

Das ist sicherlich noch nicht das Definitionsende. Und im Gegensatz zur Theorie erscheinen diese fünf Formen in der Praxis nicht immer getrennt voneinander.

Vibewrite z.B. hatte zuerst bei Kickstarter im Jahr 2013 eine reward-based Kampagne gestartet, die nicht zum gewünschten Erfolg führte. Mit dem aktuellen Seedmatch-Projekt und dem geänderten Konzept, sich an Investoren zu wenden, die Renditechancen sehen, haben sie die erste Investmentstufe bereits erklommen.

Welche Art des Crowdfunding am Ende für ein Projekt eingesetzt wird, hängt start von der Idee, dem Konzept und der Zielgruppe ab.

Und damit: Frohes crowdfunden!

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